Eine smarte Steckdose lässt sich per Sprache ausschalten. Schön. Aber wie viel Strom das angeschlossene Gerät tatsächlich braucht, musst du oft in einer anderen App nachschlagen. Genau an dieser Stelle wird Google Home jetzt interessanter: Die Android-App bekommt Energiedaten von kompatiblen Matter-Geräten.
Das klingt zunächst nach einer zusätzlichen Zahl auf einer Kachel. Für den Alltag steckt mehr dahinter. Wenn Schalten und Verbrauch am selben Ort landen, wird aus der Steckdose ein brauchbarerer Blick auf die eigenen Geräte. Allerdings bleibt eine wichtige Einschränkung: Matter auf der Verpackung bedeutet noch lange nicht, dass auch Messwerte in Google Home auftauchen.
Google Home zeigt mehr als Ein und Aus
In den offiziellen Release Notes vom 29. Oktober nennt Google zwei Werte: die aktuelle elektrische Leistung und die insgesamt verbrauchte Energie in Kilowattstunden. Sie sollen direkt auf Gerätekacheln und in den jeweiligen Steueransichten erscheinen. Voraussetzung sind kompatible Matter-Steckdosen oder Energiemonitore, die aufsummierten Verbrauch erfassen.
Die Unterscheidung ist entscheidend. Die Leistung zeigt dir, was gerade passiert. Der Energiezähler macht sichtbar, was sich über längere Zeit angesammelt hat. Ein kurzer Blick während der Heizphase einer Kaffeemaschine beantwortet eben eine andere Frage als ihr Verbrauch über mehrere Tage.

Interessant ist vor allem der bequemere Zugang. Wer zum Einschalten ohnehin Google Home öffnet, muss für einen unterstützten Verbrauchswert nicht erst die passende Hersteller-App suchen. Das kann die Hemmschwelle senken, überhaupt einmal genauer hinzuschauen.
Der Nutzen steckt in deinen Entscheidungen
Am Schreibtisch läuft vielleicht Zubehör weiter, obwohl der Rechner längst aus ist. Beim TV-Setup bleibt eine Komfortfunktion aktiv. Oder du möchtest wissen, ob sich eine geänderte Einstellung tatsächlich bemerkbar macht. Genau solche Fragen machen Verbrauchswerte nützlich.
Ein bewusst vereinfachtes Rechenbeispiel: Eine konstante Last von 20 Watt über acht Stunden täglich ergibt in 365 Tagen 58,4 kWh. Bei angenommenen 35 Cent pro kWh wären das 20,44 Euro. Das ist keine Messung eines bestimmten Geräts und keine versprochene Ersparnis. Es zeigt nur, warum selbst eine kleine Zahl mit ihrer Laufzeit interessant wird.
Der neue Zähler spart für sich genommen noch keinen Strom. Erst eine sinnvolle Änderung macht einen Unterschied. Welche Zeiträume du dafür vergleichen solltest, erklärt unser Ratgeber zum Finden von Stromfressern mit smarten Steckdosen. Hier geht es um die Plattformänderung: Google Home rückt näher an diese Alltagsentscheidung heran.
Warum das Matter-Logo nicht reicht
Matter ist die gemeinsame Sprache. Welche Funktionen Gerät, Firmware und App darüber tatsächlich austauschen, ist die nächste Frage. Eine Steckdose kann sich problemlos schalten lassen, während ihre Messwerte nur in der Hersteller-App sichtbar sind.
Die technische Grundlage ist nicht erst diese Woche entstanden. Die Connectivity Standards Alliance führte Energiemeldungen mit Matter 1.3 am 8. Mai 2024 ein. Dazu gehören aktuelle Messgrößen und der Verbrauch über die Zeit. Hersteller und Plattformen müssen solche Fähigkeiten anschließend umsetzen.
Ein konkretes Beispiel liefert Eve. Der Hersteller kündigte am 10. April 2025 standardisierte Matter-Energiemeldungen für Eve Energy an. Das belegt die Gerätefunktion. Ob ein bestimmtes Modell mit seinem aktuellen Firmwarestand bereits die neue Google-Ansicht erreicht, beantwortet diese ältere Ankündigung nicht.

Eine vollständige Liste sicher unterstützter Steckdosenmodelle liefert der Google-Eintrag nicht. Ich würde deshalb keinen vorhandenen Zwischenstecker allein wegen dieser Meldung ersetzen. Beim Neukauf zählt die ausdrücklich bestätigte Kombination aus Modell, Firmware und gewünschter Plattformfunktion.
Eine Matter-Steckdose im Smartzeug-Video
Wie eine solche Steckdose eingebunden wird, zeige ich in meinem Review des Shelly Plug S Gen3 MTR. Das Kapitel zur Matter-Anbindung beginnt bei 12:54. Die ältere Aufnahme ist ein Praxisbeispiel zur Geräteanbindung, kein Test der neuen Google-Energieanzeige.
Was in Deutschland noch offen ist
Google kennzeichnet die Energieanzeige ausdrücklich als Android-Funktion. Für iOS enthält derselbe Eintrag keine entsprechende Zusage. Außerdem weist Google auf einen schrittweisen Rollout hin. Eine aktuelle App-Version garantiert daher noch keine sofortige Freischaltung.
Bei unserer Prüfung war der neue Abschnitt auf der englischen Hilfeseite vorhanden. Die deutsche Fassung der Release Notes begann noch beim 14. Oktober. Das beweist keine Deutschland-Sperre. Es liefert aber auch keinen belastbaren Termin, ab dem jeder deutsche Nutzer die Energiewerte sehen kann.
Zum selben Paket gehören passendere Symbole und Bedienelemente für bestimmte Matter-Verschlüsse sowie Verbesserungen bei Kameras und Sprachbefehlen. Für mich ist die Verbrauchsanzeige trotzdem der spannendere Schritt. Sie macht Matter im Alltag ein Stück nützlicher, statt nur ein weiteres Gerät einschaltbar zu machen.
Gut fürs Nachschauen, noch kein Energiemanager
Aus den angekündigten Gerätekacheln lässt sich kein vollständiges Energie-Dashboard mit Kostenprognose, Tarifsteuerung oder verbrauchsabhängigen Automationen ableiten. Wer genau darauf wartet, sollte die neue Anzeige nicht mit einer fertigen Gesamtlösung verwechseln.
Für Home-Assistant-Nutzer bedeutet das auch nicht, dass die bisherige Auswertung plötzlich überflüssig wäre. Spannender ist die Entwicklung für Haushalte, die bei Google Home bleiben und ihren Geräteverbrauch ohne zusätzliches Projekt besser verstehen möchten.
Mein Urteil: ein sinnvoller Schritt mit echtem Alltagsnutzen. Wenn die passenden Messwerte dort ankommen, wo du deine Geräte ohnehin bedienst, werden sie eher genutzt. Entscheidend ist jetzt, welche vorhandenen Steckdosen davon tatsächlich profitieren und wie zuverlässig die Anzeige im Alltag funktioniert.




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