Die Stromrechnung steigt und plötzlich steht jedes Netzteil unter Generalverdacht. Also schnell zehn smarte Steckdosen bestellen? Erst mal langsam. Stromfresser finden klappt auch mit einem einzigen passenden Zwischenstecker, den du nacheinander an mehreren Geräten einsetzt. Entscheidend ist, was du misst und welchen Zeitraum du vergleichst.

Dieser Ratgeber zeigt dir einen einfachen Messplan für den Alltag. Ohne versprochene Wunderersparnis, ohne neues Dashboard als Pflichtprogramm. Home Assistant darf helfen, muss aber nicht.

Das bringt dir die Messung: Du erkennst, welche Geräte über längere Zeit viel Energie brauchen und ob eine geänderte Einstellung tatsächlich etwas spart. Watt zeigt den Moment. Kilowattstunden zeigen, was sich über die Zeit aufsummiert. Erst daraus werden mit deinem Stromtarif Euro.

Watt ist kein Jahresverbrauch

Eine Kaffeemaschine mit hoher Leistungsaufnahme wirkt verdächtig. Ein kleiner Dauerverbraucher fällt kaum auf. Die Rechnung kann trotzdem anders ausgehen, weil zur Leistung immer die Laufzeit gehört.

Ein bewusst vereinfachtes Beispiel: Ein Gerät mit konstant 1.800 Watt braucht in drei Minuten 0,09 kWh. Ein anderes mit konstant 20 Watt kommt in 24 Stunden auf 0,48 kWh. Bei angenommenen 35 Cent pro kWh sind das rund 3 Cent für den kurzen Einsatz und 17 Cent für den ganzen Tag. Das sind Rechenwerte, keine Messwerte einer bestimmten Kaffeemaschine oder eines Routers.

Energie in kWh = Leistung in Watt × Stunden ÷ 1.000
Kosten = kWh × dein Arbeitspreis pro kWh

Bei wechselnder Leistung hilft dir deshalb der aufsummierte kWh-Wert mehr als ein Blick auf die aktuelle Wattzahl. Die Verbraucherzentrale empfiehlt Strommessgeräte, um den tatsächlichen Geräteverbrauch zu prüfen. Das ersetzt die Suche nach dem vermeintlich schlimmsten Typenschild durch eine brauchbare Messung.

Erst prüfen, dann einstecken

Für diesen Plan brauchst du einen Zwischenstecker, der Leistung und Energieverbrauch erfasst. Nur schalten können reicht nicht. Prüfe in deiner App, ob du Watt sowie Wh oder kWh findest. 1.000 Wh entsprechen einer kWh. Eine Verbrauchshistorie ist praktisch, ein ablesbarer Zählerstand für Anfang und Ende reicht aber ebenfalls.

Bei einem vorhandenen Gerät lohnt sich ein Blick in die Anleitung. Beim hier gezeigten Shelly Plug S Gen3 nennt der Hersteller Leistungs- und Energiemessung. Für ihn gelten maximal 12 Ampere und 2.500 Watt bei ohmscher Last. Diese Grenze gehört zu diesem Modell und lässt sich nicht auf jeden smarten Zwischenstecker übertragen. Bei Motoren und anderen Lastarten zusätzlich die dafür geltenden Herstellervorgaben beachten.

Gerät und Messstecker müssen zusammenpassen. Für fest angeschlossene Verbraucher ist dieser Steckdosenplan nicht gedacht. Und wer einen Kühlschrank vermisst, lässt ihn dabei normal weiterlaufen: keine Abschaltregel, kein Countdown, keine neugierig getestete Aus-Taste. Auch das Verhalten nach einem Stromausfall vorher prüfen. Die erste Aufgabe lautet messen.

Dein Messplan für die nächsten Tage

Fang mit drei Kandidaten an: einem häufig genutzten Haushaltsgerät, deinem Schreibtisch oder TV-Setup und einem Dauerläufer. Du musst nicht das ganze Haus gleichzeitig verkabeln.

  1. Ausgangslage festhalten. Notiere Gerät, Datum, Uhrzeit, Zählerstand und aktuelle Einstellungen. Bei einem zurücksetzbaren Energiezähler kannst du vor Beginn nullen. Ansonsten rechnest du später Endstand minus Anfangsstand.
  2. Einen passenden Zeitraum wählen. Für die Waschmaschine zählt ein vollständiges Programm mit notierter Beladung. Beim Schreibtisch ein normaler Arbeitstag. Einen Kühlschrank würde ich mindestens einen ganzen Tag, besser mehrere vergleichbare Tage beobachten. So erwischst du mehr als eine kurze Kühlpause.
  3. Nur eine Sache ändern. Zum Beispiel den Schnellstart des TV-Setups deaktivieren. Danach unter möglichst ähnlichen Bedingungen erneut messen. Bei Waschprogrammen gehören vergleichbare Beladung und Nutzung zum Vergleich.
  4. Ergebnis statt Bauchgefühl notieren. Was hat sich an den kWh geändert? War die Nutzung wirklich vergleichbar? Erst dann entscheidest du, ob die Einstellung bleibt.
Smarte Shelly-Steckdose zwischen Wandsteckdose und roter Kaffeemaschine
Ein Messstecker kann nacheinander mehrere Geräte prüfen. Offizielles Anwendungsfoto: Shelly. Das Motiv ist kein Verbrauchstest.

Bei Standby-Messungen warte, bis das Gerät seinen vorgesehenen Ruhezustand erreicht hat. Gerade direkt nach dem Ausschalten kann noch etwas laufen. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich auf OLED-Fernseher hin, die nach der Nutzung noch Strom benötigen können. Hier zählt die Geräteanleitung. Strom kappen um jeden Preis wäre die falsche Abkürzung.

So viel kosten kleine Dauerlasten

Diese Tabelle zeigt vier hypothetische, konstant laufende Lasten. Gerechnet ist mit 24 Stunden an 365 Tagen und angenommenen 35 Cent pro kWh. Deinen tatsächlichen Tarif setzt du selbst ein. Grundgebühren bleiben außen vor.

Konstante Leistung Energie pro Jahr Kosten pro Jahr
1 Watt 8,76 kWh 3,07 Euro
5 Watt 43,80 kWh 15,33 Euro
20 Watt 175,20 kWh 61,32 Euro
50 Watt 438,00 kWh 153,30 Euro

Die Beträge sind keine automatisch erreichbare Ersparnis. Wenn ein Gerät nachts acht Stunden entfallen kann, darfst du dafür auch nur diese acht Stunden ansetzen. Ein Kühlschrank hat einen notwendigen Zweck. Ein abgeschalteter Router kann dein Smart Home ausbremsen. Welche Folgen das hat, zeigt unser Ratgeber zum Smart Home ohne Internet.

Auch der Messstecker braucht Strom. Für den Plug S Gen3 gibt Shelly weniger als ein Watt Eigenverbrauch an. Deshalb ist es oft sinnvoll, erst mit einem Gerät herumzumessen, statt jeden Kleinstverbraucher dauerhaft mit einem weiteren Funkgerät auszustatten. Die Messanzeige des angeschlossenen Verbrauchers ist außerdem nicht automatisch ein separater Nachweis für den Eigenbedarf des Zwischensteckers.

Home Assistant macht den Vergleich bequemer

Wenn deine Steckdose bereits eingebunden ist, schau zuerst nach ihren verfügbaren Sensoren. Ein funktionierender Schalter bedeutet noch nicht, dass über dieselbe Einbindung auch alle Messwerte ankommen. Prüfe das an deinem konkreten Gerät, bevor du ein neues Dashboard aufbaust.

Für die Auswertung über längere Zeit nutzt du den passenden Energiezähler in Wh oder kWh. Die offizielle Anleitung zur Geräte-Energiemessung erklärt auch den Fall, dass nur ein Leistungssensor in Watt vorhanden ist: Die Integral-Integration kann daraus einen Energiewert berechnen. Wie gut dieser den Verlauf abbildet, hängt unter anderem von den gemeldeten Messpunkten ab.

Offizielles Home-Assistant-Beispiel: Balkendiagramm zum Energieverbrauch einzelner Geräte in Kilowattstunden
Die Geräteübersicht sortiert nach Energieverbrauch. Offizielles Dokumentationsbeispiel von Home Assistant, keine Messung aus unserem Haushalt. Zum Vergrößern antippen.

Die Gerätegrafik im Energie-Dashboard sortiert Verbraucher nach ihrem Energiebedarf. Vergleiche dieselben Zeiträume, sonst gewinnt am Ende schlicht das Gerät mit dem längeren Messprotokoll. Trage einen einzelnen Messstecker als Geräteverbrauch ein, nicht zusätzlich als gesamten Netzbezug. Misst du eine Steckdosenleiste und darin noch einzelne Geräte, beachte die in der Dokumentation beschriebenen übergeordneten Geräte. Sonst kann dein Vergleich dieselbe Energie mehrfach enthalten.

Aus der Messung muss eine Entscheidung werden

Am Ende brauchst du keine Sammlung hübscher Kurven, sondern eine kleine Liste: Welche Einstellung hat etwas gebracht? Welcher Verbraucher bleibt absichtlich an? Wo ist der Verbrauch so gering, dass sich weiteres Optimieren kaum lohnt?

Bei einem alten Großgerät kannst du anschließend den gemessenen Verbrauch und mögliche Ersatzkosten gegenüberstellen. Ein einzelner auffälliger Tag ist dafür noch keine solide Jahresprognose. Ebenso wenig beweist ein niedriger Tageswert, dass ein Gerät immer sparsam ist.

Wer ein Balkonkraftwerk hat, kann mit den Ergebnissen zusätzlich besser verstehen, wann Energie gebraucht wird. Verbrauch in sonnige Stunden zu verschieben und tatsächlich Energie einzusparen sind zwei verschiedene Ergebnisse. Mehr zum saisonalen Umgang mit der Anlage findest du in unseren Checks fürs Balkonkraftwerk im Winter.

Mein Vorschlag fürs Wochenende: einen Messstecker, drei Kandidaten und eine Notiz anlegen. Erst messen, dann eine Einstellung ändern, dann vergleichen. Das bringt dir für die nächste Stromrechnung mehr als zehn neue Automationen, deren Nutzen niemand überprüft hat.