Ein Home Assistant Wandtablet klingt erst einmal simpel. Tablet an die Wand, Dashboard im Vollbild öffnen, fertig. In der Praxis beginnt danach aber oft der eigentliche Bastelspaß: Bildschirm automatisch wecken, Akku im Blick behalten, Kamera anzeigen, Sprachsteuerung nachrüsten, Fernzugriff einrichten und möglichst verhindern, dass Android irgendwann wieder seine eigene Startseite zeigt.
Kiosk Satellite für Home Assistant will genau dieses Sammelsurium in einer einzigen App bündeln. Und ausgerechnet heute ist das Projekt noch einmal deutlich interessanter geworden: Die am 28. September 2026 veröffentlichte Version 2026.9.87 integriert den Home Assistant Voice Satellite direkt in die App. Ein separates Voice Satellite Setup im Dashboard ist damit nicht mehr nötig.
Das klingt nach einem kleinen Versionssprung. Tatsächlich verändert es aber die Rolle des Tablets. Es ist nicht mehr nur ein Bildschirm für Home Assistant. Es kann gleichzeitig Display, Sprachassistent, Media Player, Kameraanzeige, Bluetooth Proxy und Sensorstation sein.

Warum Kiosk Satellite gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt
Das Thema kommt nicht nur aus einem Changelog. In der Home Assistant Community taucht Kiosk Satellite gerade auffällig häufig auf. Ein am 27. September gestarteter Reddit Thread über ein Wanddashboard hat innerhalb weniger Stunden mehr als 300 Upvotes gesammelt. Der Ersteller nutzt ein Lenovo Tab M10 der dritten Generation mit Kiosk Satellite und zeigt darauf Personenstatus, Räume, Haushaltsgeräte, Wetter, Kalender, sieben Kameras und Music Assistant.
Mehrere Nutzer berichten dort, dass sie von Fully Kiosk zu Kiosk Satellite gewechselt sind. Das sind persönliche Erfahrungen und keine allgemeingültige Aussage über die Performance beider Apps. Interessant ist aber, wie oft dieselbe Frage inzwischen auftaucht: Brauche ich für mein Home Assistant Wandtablet überhaupt noch Fully Kiosk?
Vor einer Woche bekam Kiosk Satellite außerdem deutsche, französische und spanische Übersetzungen. Dazu kamen Intercom, Fleet Management, Plugins und erweiterte Medienfunktionen. Das Projekt entwickelt sich aktuell also ungewöhnlich schnell.
Der entscheidende Unterschied: Das Tablet wird selbst zum Home Assistant Gerät
Ein klassischer Kiosk Browser zeigt hauptsächlich eine Webseite möglichst störungsfrei im Vollbild. Kiosk Satellite geht einen Schritt weiter. Laut Projektseite steckt ein ESPHome Server direkt in der App. Dadurch taucht das Tablet in Home Assistant mit eigenen Sensoren und Bedienelementen auf.
Home Assistant kann dadurch unter anderem Bildschirm, Helligkeit, Lautstärke und Bildschirmschoner steuern. Gleichzeitig lassen sich Bewegungen, Helligkeit, Akkustand und Anwesenheit als Sensoren nutzen.
Das ist für Automationen deutlich spannender als ein Tablet, das nur eine Webseite anzeigt. Zum Beispiel:
- Der Bildschirm geht an, wenn jemand vor das Tablet tritt.
- Nachts wird die Helligkeit automatisch reduziert.
- Beim Klingeln öffnet sich direkt die Kameraansicht.
- Bei niedrigem Akkustand kann Home Assistant eine smarte Steckdose einschalten.
- Eine Durchsage lässt sich direkt über den Lautsprecher des Tablets ausgeben.
Damit wird aus dem Wandtablet tatsächlich ein Teil des Smart Homes und nicht nur dessen Bedienoberfläche.
Besonders praktisch wird das in Verbindung mit Präsenzsensoren. Wer den Bildschirm nur dann aktivieren möchte, wenn wirklich jemand vor dem Panel steht, findet auf Smartzeug auch unseren Vergleich zu Präsenzsensoren im echten Alltag.
Heute neu: Voice Satellite läuft direkt in Kiosk Satellite

Der wichtigste Punkt der heutigen Version 2026.9.87 ist die native Sprachsteuerung. Bislang lief Voice Satellite innerhalb der WebView des Dashboards. Laut Entwickler Xavier Larrea war genau diese WebView auf älteren Wandtablets und Echo Show Geräten der Flaschenhals.
Jetzt übernimmt Kiosk Satellite die Sprachfunktionen selbst und meldet sich über ESPHome als Assist Satellite bei Home Assistant an. Wake Word, Mikrofon, Timer, Durchsagen und Gespräche hängen damit nicht mehr davon ab, ob das eigentliche Dashboard gerade geladen oder sichtbar ist.
Der Entwickler nennt als Beispiel einen Echo Show 8. Dort soll eine Voice Animation nativ mit 56 Bildern pro Sekunde laufen, während dieselbe Darstellung zuvor innerhalb der WebView ungefähr 9 Bilder pro Sekunde erreicht habe. Das ist ein vom Entwickler gemessener Einzelwert und kein unabhängiger Benchmark. Er zeigt aber ziemlich gut, warum die Umstellung technisch mehr ist als nur eine neue Oberfläche.
Für den Alltag ist etwas anderes wichtiger: Ein altes Android Tablet an der Wand kann damit zugleich Home Assistant Display und lokaler Sprachsatellit werden. Man braucht also nicht zwangsläufig für jeden Raum zusätzlich ein separates Voice Gerät.
Bis zu zwölf Kameras direkt auf dem Wandtablet

Gerade für ein Wandpanel ist die Kameraunterstützung praktisch. Laut Dokumentation lassen sich bis zu zwölf Streams in einer Vollbildansicht kombinieren. Kameras können direkt aus Home Assistant oder aus Go2RTC importiert werden.
Die App bevorzugt WebRTC und kann bei Bedarf auf MSE, HLS oder MJPEG ausweichen. Das klingt technisch, hat aber einen einfachen Vorteil: Wer bereits Kameras als camera.* Entitäten in Home Assistant sieht, muss für viele Setups nicht noch einmal jede Stream URL von Hand zusammensuchen.
Das typische Beispiel ist die Türklingel. Eine Automation kann beim Klingeln die passende Kameraansicht auf dem Tablet öffnen. Danach geht das Panel wieder zurück zum normalen Dashboard. Genau solche Kleinigkeiten machen ein festes Wanddisplay im Alltag sinnvoller als nur eine große Lichtschalter Sammlung.
Das Tablet kann sogar Bluetooth Proxy spielen

Eine der ungewöhnlicheren Funktionen ist der integrierte Bluetooth Proxy. Das Tablet kann Bluetooth Geräte in seiner Umgebung an Home Assistant weiterreichen, ähnlich wie ein ESPHome Bluetooth Proxy.
Das ist besonders interessant, wenn das Wandtablet sowieso zentral in einem Raum hängt. Bluetooth Sensoren, Beacons, Taster oder andere unterstützte Geräte bekommen damit möglicherweise einen zusätzlichen Empfangspunkt, ohne dass daneben noch ein eigener ESP32 betrieben werden muss.
Dazu kommen weitere Funktionen wie Music Assistant über Sendspin, Immich Bildschirmschoner, DLNA Wiedergabe, Intercom zwischen mehreren Kiosks und eine Remote Verwaltung über den Browser. Mehrere Tablets können über Fleet Management gemeinsam verwaltet und aktualisiert werden.
Ist Kiosk Satellite damit besser als Fully Kiosk?
So pauschal würde ich es nicht formulieren.
Fully Kiosk Browser besitzt eine offizielle Home Assistant Integration und ist seit Jahren in sehr vielen Installationen im Einsatz. Home Assistant kann darüber beispielsweise Bildschirm, Helligkeit, Kiosk Modus, Screensaver, Kamera und weitere Gerätefunktionen steuern. Für Remote Admin wird dort allerdings die kostenpflichtige Fully Plus Lizenz benötigt.
Kiosk Satellite verfolgt einen anderen Ansatz. Die App wurde speziell für Home Assistant gebaut und verbindet mehrere Dinge, für die man sonst häufig verschiedene Lösungen kombiniert. Vor allem ESPHome, Voice Satellite, Music Assistant und die Kameraansichten sind hier sehr eng zusammengedacht.
Mein Eindruck: Wer ein bestehendes Fully Kiosk Setup hat, das seit Jahren zuverlässig läuft, muss heute nicht hektisch alles umbauen. Wer aber gerade ein neues Wandtablet aufsetzt oder ein altes Android Gerät wiederverwenden möchte, sollte Kiosk Satellite unbedingt ausprobieren.
Die schnelle Entwicklung ist dabei gleichzeitig Stärke und kleiner Warnhinweis. In den vergangenen Tagen erschienen mehrere Releases direkt hintereinander. Das bringt neue Funktionen schnell auf die Geräte, bedeutet aber auch, dass sich Verhalten und Einstellungen noch häufiger ändern können als bei einer sehr etablierten Lösung.
Was brauche ich für Kiosk Satellite?
Die Einstiegshürde ist niedrig. Laut Projekt benötigt man ein Android Gerät mit Android 7.0 oder neuer, eine erreichbare Home Assistant Instanz und einen Long Lived Access Token aus Home Assistant.
Die APK wird direkt über die Projektseite beziehungsweise GitHub installiert. Eine klassische Installation aus dem Google Play Store ist aktuell also nicht der vorgesehene Weg.
Beim Access Token würde ich nicht den eigenen Administrator Zugang für ein Tablet verwenden, das dauerhaft offen an der Wand hängt. Sinnvoller ist ein separater Home Assistant Benutzer für das Panel. Auch die Remote Verwaltung sollte mit einem eigenen starken Passwort geschützt werden.
Das Projekt beschreibt sich auf seiner Webseite als Open Source und kostenlos für private Nutzung. Ein Blick in die aktuelle Lizenz zeigt allerdings CC BY NC ND 4.0. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar und private nicht kommerzielle Nutzung ist erlaubt, veränderte Fassungen dürfen unter dieser Lizenz aber nicht einfach weiterverteilt werden. Wer mit dem Begriff Open Source sehr streng umgeht, sollte diesen Unterschied kennen.
Welches Tablet eignet sich?
Das Interessante ist, dass es kein High End Tablet sein muss. Genau deshalb tauchen in der Community Geräte wie ältere Lenovo Tablets, Fire Tablets oder inzwischen sogar ehemalige Meta Portal Displays auf.
Wichtiger als maximale Rechenleistung sind für ein festes Panel ein brauchbares Display, stabiles WLAN, ein aktuelles Android WebView und eine vernünftige Lösung für die Stromversorgung. Bei sehr alten Geräten kann ein veraltetes WebView zu Darstellungsfehlern führen. Genau dieses Problem wurde zuletzt auch in der Community bei älteren Lenovo Geräten beschrieben.
Wenn das Tablet dauerhaft am Strom hängt, lohnt sich außerdem ein Gerät mit integrierter Akkuschutzfunktion oder eine Ladeautomation. Einen aufgeblähten Akku möchte niemand hinter einer schicken Wandhalterung entdecken.
Wer sein Dashboard selbst noch verbessern möchte, findet auf Smartzeug außerdem unseren Blick auf das Home Assistant Dashboard und die neue Navigation. Kiosk Satellite ersetzt das Dashboard nicht. Es ist vielmehr die Schicht, die aus einem normalen Android Gerät ein dauerhaftes Bedienpanel dafür macht.
Mein Fazit: Das ist mehr als nur ein neuer Kiosk Browser
Ein Wandtablet ist eigentlich eine ziemlich alte Smart Home Idee. Kiosk Satellite macht sie gerade wieder interessant, weil das Tablet nicht mehr nur als Bildschirm behandelt wird.
Mit der heutigen Version 2026.9.87 wird dieser Ansatz noch deutlicher. Das Gerät kann jetzt nativ als Home Assistant Voice Satellite arbeiten. Gleichzeitig bringt es Sensoren über ESPHome mit, kann Bluetooth Geräte weiterreichen, Kameras anzeigen, Musik abspielen und sich von Home Assistant automatisieren lassen.
Genau das ist für mich der spannende Punkt. Ich möchte nicht noch ein Display an die Wand hängen, das nur eine schönere Fernbedienung ist. Wenn dort ohnehin ein Tablet läuft, darf es gern mehrere Aufgaben im Smart Home übernehmen.
Fully Kiosk ist damit nicht plötzlich überflüssig. Aber Kiosk Satellite ist inzwischen weit genug, dass ich bei einem neuen Home Assistant Wandtablet nicht mehr automatisch zu Fully Kiosk greifen würde. Gerade wer noch ein älteres Android Tablet in der Schublade hat, bekommt hier einen ziemlich guten Grund, es noch einmal aufzuladen.


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