Homey räumt beim Apple-Smart-Home auf. Das bisherige HomeKit Experiment soll verschwinden, während die offizielle Matter Bridge künftig die Rolle übernimmt. Für Nutzer klingt das zunächst nach einem einfachen Wechsel. In der Praxis steckt aber mehr dahinter, denn nicht jede Funktion lässt sich über Matter eins zu eins abbilden.

Der aktuelle Anlass kommt direkt aus der Homey-Community: Nutzer berichten von einer Mitteilung, nach der das HomeKit Experiment mit Homey Pro 13.5.1 nicht mehr neu aktiviert werden kann und im März 2027 endgültig auslaufen soll. Homeys öffentlich zugängliche Support-Seite zum alten HomeKit Experiment beschreibt die Funktion weiterhin als experimentell und weist ausdrücklich darauf hin, dass Experimente verändert oder entfernt werden können. Parallel dokumentiert Homey die Matter Bridge als offiziellen Weg zu Apple Home.

Was genau ändert sich?

Das alte HomeKit Experiment machte Homey zu einer HomeKit-Bridge. Geräte, die eigentlich nur über Zigbee, Z-Wave, WLAN oder 433 MHz mit Homey verbunden waren, konnten dadurch in Apple Home auftauchen.

Genau diese Aufgabe übernimmt inzwischen die Matter Bridge. Der Unterschied liegt unter der Haube: Statt HomeKit direkt nachzubilden, stellt Homey ausgewählte Geräte über den offenen Matter-Standard bereit. Apple Home sieht Homey damit als Matter Bridge und behandelt die freigegebenen Geräte wie normale Matter-Zubehörteile.

Das ist aus meiner Sicht der wichtigere Punkt als das reine Ende eines Experiments. Homey zieht die Verbindung zu Apple Home auf einen Standard um, der nicht nur Apple unterstützt. Die gleiche Bridge kann Geräte laut Homey auch an Google Home, Amazon Alexa, Samsung SmartThings und Home Assistant weiterreichen.

Für wen besteht jetzt Handlungsbedarf?

Wer das HomeKit Experiment nie aktiviert hat, muss erst einmal nichts tun. Relevant wird die Änderung vor allem für Nutzer, die heute Homey-Geräte in Apple Home sehen und diese Verbindung über das Experiment hergestellt haben.

Besonders wichtig ist das für Haushalte, in denen Homey als Übersetzer dient. Ein Z-Wave-Thermostat, ein Zigbee-Sensor oder sogar ein 433-MHz-Gerät kann in Homey funktionieren und über die Bridge trotzdem in Apple Home erscheinen. Die Geräte selbst müssen dafür kein Matter beherrschen.

Wer aktuell nicht mehr weiß, wie die Verbindung eingerichtet wurde, sollte deshalb zuerst in Homey unter Einstellungen → Experimente prüfen, ob HomeKit aktiv ist. Ein vorschnelles Löschen der bestehenden Apple-Home-Bridge würde ich vermeiden. Erst die neue Verbindung sauber einrichten, dann die alte abbauen.

So funktioniert der Wechsel auf die Matter Bridge

Homey beschreibt den neuen Weg erfreulich simpel. Zuerst wird die offizielle Matter-Bridge-App installiert. Danach öffnet ihr in der Homey App Mehr → Einstellungen → Matter Bridge. In der Web-App findet ihr die Funktion unter Einstellungen → Matter Bridge → Configure.

Dort erzeugt Homey einen QR-Code. Diesen scannt ihr mit Apple Home und fügt Homey als Matter Bridge hinzu. Anschließend könnt ihr in Homey auswählen, welche Geräte an Apple Home weitergegeben werden sollen.

Geräteauswahl in der Homey Matter Bridge App für Apple Home
Bild: Homey

Ein praktisches Detail: Die eigentlichen Geräte bleiben weiterhin mit Homey verbunden. Ihr müsst also einen Zigbee-Sensor oder ein Z-Wave-Thermostat nicht aus Homey entfernen und neu koppeln. Apple Home greift über die Bridge darauf zu.

Der Haken: Matter überträgt nicht automatisch jede Spezialfunktion

Genau hier sollte man nicht einfach auf „Matter ist neuer, also ist alles besser“ vertrauen. Homey weist selbst darauf hin, dass nicht jede Gerätefunktion in Apple Home verfügbar sein muss. Matter transportiert standardisierte Gerätetypen und Fähigkeiten. Hersteller- oder Homey-spezifische Extras können dabei außen vor bleiben.

Ein gutes Beispiel wäre ein Gerät mit zehn Spezialfunktionen, von denen Matter nur Licht, Helligkeit und Farbe standardisiert abbildet. In Homey könnt ihr dann weiterhin alle zehn Funktionen haben, während Apple Home nur einen Teil davon sieht.

Das bedeutet auch: Wer heute komplexe Apple-Home-Automationen mit Geräten aus dem HomeKit Experiment nutzt, sollte sie nach der Migration einzeln testen. Räume, Namen, Szenen und Automationen sind genau die Stellen, an denen ein vermeintlich einfacher Bridge-Wechsel im Alltag nervig werden kann.

Warum Homey trotzdem auf Matter setzt

Technisch ist der Schritt nachvollziehbar. Das alte HomeKit Experiment war eine Homey-spezifische Sonderlösung. Die Matter Bridge dagegen nutzt einen Standard, der von mehreren großen Smart-Home-Plattformen unterstützt wird.

Homey geht dabei inzwischen ziemlich weit. Die Plattform ist laut eigener Dokumentation als Matter-1.5-Controller zertifiziert und unterstützt unter anderem Lichter, Steckdosen, Schlösser, Thermostate, Sensoren, Rollläden, Luftqualitätsgeräte, Haushaltsgeräte und weitere Gerätetypen. Die Bridge kann wiederum kompatible Homey-Geräte an andere Matter-Systeme weiterreichen.

Das passt zu einer Entwicklung, die wir bei Smartzeug schon häufiger sehen: Matter ersetzt nicht Zigbee, Z-Wave oder proprietäre Geräteprotokolle. Es wird zunehmend zur gemeinsamen Sprache zwischen Smart-Home-Plattformen. Genau deshalb sind Bridges so spannend. Wer tiefer einsteigen möchte, findet bei uns auch den Artikel zu typischen Matter-Problemen in Home Assistant.

Was sagt die Community?

Im aktuellen Homey-Thread auf Reddit dreht sich die Diskussion vor allem um zwei Fragen: Muss man bestehende Automationen neu bauen und ist die Matter Bridge bereits stabil genug für den Alltag?

Die Erfahrungen sind gemischt. Einige Nutzer berichten, dass die Matter Bridge für sie problemlos läuft. Andere nennen Einschränkungen bei bestimmten Gerätetypen oder Zuständen. Solche Einzelberichte sind keine belastbare Aussage über die allgemeine Zuverlässigkeit, zeigen aber, wo man bei der eigenen Migration genauer hinschauen sollte.

Meine Empfehlung für den Umstieg

Ich würde nicht bis zum letzten Tag warten, aber auch nicht hektisch alles auf einmal umbauen. Wer das HomeKit Experiment nutzt, kann die Matter Bridge parallel vorbereiten und zunächst mit wenigen unkritischen Geräten testen.

Startet mit Lampen, Steckdosen und einfachen Sensoren. Prüft danach, ob Statusänderungen zuverlässig in beide Richtungen ankommen. Erst anschließend würde ich Schlösser, Heizungssteuerung oder komplexe Automationen umziehen.

Wenn alles sauber läuft, kann die alte HomeKit-Verbindung raus. So habt ihr während des Wechsels immer noch einen funktionierenden Rückweg.

HomeKit verschwindet nicht aus Homey

Das ist am Ende die wichtigste Einordnung. Homey verabschiedet sich nicht von Apple Home. Es verabschiedet sich von der alten experimentellen Brücke und setzt stattdessen auf Matter.

Für viele Nutzer dürfte das langfristig sogar die sauberere Lösung sein. Gleichzeitig sollte niemand erwarten, dass ein Bridge-Wechsel komplett unsichtbar bleibt. Wer viele Räume, Szenen und Automationen aufgebaut hat, sollte den Umstieg wie eine kleine Smart-Home-Migration behandeln und nicht wie ein simples App-Update.

Interessant wird jetzt vor allem, ob Homey die öffentliche Dokumentation zum Auslaufdatum des Experiments noch aktualisiert und wie sich die Matter Bridge in größeren Installationen schlägt. Genau dort entscheidet sich, ob der Wechsel im Alltag wirklich so unspektakulär wird, wie er auf dem Papier aussieht.