Samsung macht SmartThings ein gutes Stück lokaler. Mit dem heute angekündigten SmartThings Update bekommt die Plattform nicht nur eine neue Oberfläche mit SmartThings Now, sondern vor allem eine Funktion, die im Alltag deutlich wichtiger sein dürfte: Befinden sich Smartphone und kompatibler SmartThings Hub im selben WLAN, kann die App Befehle direkt an den Hub schicken, statt den Umweg über die Cloud zu nehmen.
Dazu kommen Unterstützung für Matter 1.6, neue Gerätetypen für Energie und Garten sowie eine überarbeitete Startseite, die häufiger genutzte Funktionen automatisch nach vorne holen soll. Klingt zunächst nach einem großen Rundumschlag. Für Smart Home Nutzer ist aber vor allem die Frage spannend, wie lokal SmartThings damit wirklich wird.
Das Wichtigste zuerst: SmartThings steuert den Hub jetzt lokal
Bislang lief die Steuerung in der SmartThings App häufig über Samsungs Cloud. Mit dem neuen Update kann das Smartphone bei unterstützten Hubs im eigenen WLAN direkt mit dem Hub kommunizieren. Samsung spricht in eigenen Tests von rund 30 Prozent kürzeren Reaktionszeiten. Das ist ein Herstellerwert unter kontrollierten Bedingungen und keine Garantie für jedes Zuhause.
Wichtiger als ein paar Millisekunden ist etwas anderes: Wenn die Internetverbindung kurz ausfällt, können lokale Befehle weiterhin funktionieren, solange Smartphone, Hub und die jeweiligen Geräte im Heimnetz erreichbar sind. SmartThings wechselt dabei automatisch zwischen lokaler Steuerung zu Hause und Cloud Zugriff von unterwegs.
Unterstützt werden laut Samsung die SmartThings Station sowie SmartThings Hubs der Generationen V2, V3 und V4. Auch Samsung Fernseher und Family Hub Geräte mit integriertem SmartThings Hub können die neue lokale Verbindung nutzen. Auf dem Smartphone funktioniert sie mit Android und iOS.
Das heißt allerdings nicht, dass plötzlich jedes SmartThings Gerät komplett ohne Internet auskommt. Cloud Geräte eines Herstellers können weiterhin von dessen Servern abhängig sein. Neu ist zunächst der direkte Weg zwischen SmartThings App und kompatiblem Hub.
SmartThings Now soll nicht nur Geräte zeigen, sondern Situationen erkennen
Der sichtbarste Teil des Updates heißt SmartThings Now. Ganz oben auf der neuen Home Ansicht erscheinen Karten, die Informationen und passende Aktionen zusammenbringen sollen. Samsung will damit weg von einer App, in der man erst Raum, Gerät und Funktion suchen muss.
Ein Beispiel von Samsung: Nähert sich der Nutzer seinem Zuhause, kann SmartThings vorschlagen, Licht und Luftreiniger einzuschalten. Wird dieser Vorschlag angenommen, bietet die App anschließend an, daraus direkt eine Routine zu bauen. Auch ungewöhnlich lange Inaktivität bei einem Familienmitglied kann in Verbindung mit Family Care eine passende Karte auslösen.
Zusätzlich analysiert SmartThings die Nutzung der vergangenen Woche und kann Vorschläge für Favoriten machen. Geräte, Dienste oder Routinen, die gerade häufig genutzt werden, sollen leichter erreichbar sein. Über Routine Insight lässt sich außerdem nachvollziehen, welche Routinen zuletzt aktiv waren und welche vielleicht gar nicht mehr gebraucht werden.
Das kann praktisch sein. Gleichzeitig sollte man die Funktion nicht mit einer komplett autonomen KI verwechseln. SmartThings Now ist vor allem eine kontextabhängige Oberfläche, die vorhandene Informationen und Aktionen besser zusammenführt.
Die neue Oberfläche ist nett, die lokale Steuerung ist wichtiger
Samsung hat auch die restliche Home Ansicht überarbeitet. Dashboards, Gerätekarten und Dienste werden neu sortiert, Servicekarten brauchen weniger Platz und eine neue Floating Bar soll häufig genutzte Funktionen auf großen Smartphones besser erreichbar machen.
Das ist willkommen, aber aus Smartzeug Sicht nicht der Kern der Meldung. Eine schönere App sieht man. Eine robustere lokale Steuerung merkt man genau dann, wenn das Internet hakt oder das Smart Home schnell reagieren soll. Deshalb ist diese eher unscheinbare technische Änderung für mich das eigentliche Highlight.
Matter 1.6 bringt vier neue Gerätetypen zu SmartThings

Mit dem Update unterstützt SmartThings außerdem Matter 1.6. Besonders interessant sind vier neue Gerätekategorien:
- Energiezähler für die Messung des aktuellen Stromverbrauchs
- Closures für spezielle Türen, Tore und ähnliche Öffnungen
- Bewässerungssysteme wie smarte Sprinkler
- Bodensensoren für Feuchtigkeit und weitere Werte im Garten
Gerade die Energiezähler sind spannend, weil Matter damit stärker in einen Bereich vordringt, der bisher oft über herstellerspezifische Integrationen gelöst wird. Für PV, Balkonkraftwerk und Energiemanagement heißt das nicht automatisch, dass morgen jedes Messgerät universell funktioniert. Es erweitert aber die gemeinsame Sprache, auf die Hersteller künftig setzen können.
Wer Matter Geräte in Home Assistant nutzt und gerade mit nicht erreichbaren Geräten kämpft, findet bei Smartzeug außerdem eine eigene Matter Fehlersuche für Home Assistant. Und auch FRITZ!OS 8.50 baut die Matter Rolle im Heimnetz gerade deutlich aus.
Für Home Assistant Nutzer gibt es einen wichtigen Haken
Wer Samsung Geräte über SmartThings in Home Assistant eingebunden hat, sollte die neue lokale Steuerung nicht mit einer lokalen Home Assistant Integration verwechseln. Das sind zwei unterschiedliche Wege.
Der direkte lokale Pfad gilt laut Samsung für die SmartThings App und kompatible SmartThings Hubs im selben WLAN. Die offizielle SmartThings Integration von Home Assistant greift weiterhin auf die SmartThings API zu.

Das ist gerade jetzt relevant. Samsung hatte im Juni angekündigt, den kostenlosen API Zugang ab Oktober 2026 schrittweise zurückzufahren. Für nicht kommerzielle Entwickler ist ein Personal Plan für 4,99 US Dollar pro Monat vorgesehen. Home Assistant weist in seiner Dokumentation aktuell ausdrücklich auf diese bevorstehende Änderung hin.
Die gute Nachricht lautet also: Samsung bewegt die eigene App stärker in Richtung lokaler Steuerung. Die weniger gute Nachricht für Home Assistant Nutzer lautet: Daraus folgt nicht automatisch, dass auch die SmartThings Anbindung in Home Assistant lokal oder kostenlos wird.
SmartThings wird lokaler, aber nicht plötzlich cloudfrei
Das neue SmartThings Update ist ein gutes Beispiel dafür, warum man beim Wort lokal genau hinschauen sollte. Ein Teil der Steuerung kann künftig direkt im Heimnetz laufen. Das verbessert Reaktionszeit und Robustheit. Gleichzeitig bleiben Fernzugriff, verschiedene Herstellerdienste und externe Integrationen weiterhin auf Online Dienste angewiesen.
SmartThings wird damit nicht zu Home Assistant und will das vermutlich auch gar nicht. Samsung versucht vielmehr, die Vorteile eines großen Cloud Ökosystems mit mehr lokaler Ausfallsicherheit zu kombinieren.
Für normale Nutzer ist das grundsätzlich ein sinnvoller Schritt. Niemand möchte darüber nachdenken, welchen Serverweg ein Lichtschalter gerade nimmt. Er soll einfach reagieren.
Mein Fazit: Das beste Feature steht nicht groß auf der Startseite
SmartThings Now sieht moderner aus und die neuen Vorschläge können den Alltag angenehmer machen. Der eigentliche Fortschritt steckt für mich aber eine Ebene tiefer.
Direkte Kommunikation zwischen Smartphone und Hub im eigenen WLAN ist genau die Art von Verbesserung, die ein Smart Home robuster macht. Dazu passt Matter 1.6 mit neuen Geräteklassen für Energie und Garten sehr gut.
Ganz ohne Cloud kommt SmartThings dadurch weiterhin nicht aus. Besonders Home Assistant Nutzer sollten die lokale App Steuerung nicht mit der externen SmartThings API verwechseln. Trotzdem zeigt das Update eine interessante Richtung: Selbst große Plattformen merken inzwischen, dass ein Smart Home zu Hause auch dann reagieren sollte, wenn das Internet gerade nicht mitspielt.
Die technischen Details und unterstützten Hubs hat Samsung am 6. Oktober in der offiziellen SmartThings Ankündigung veröffentlicht. Die Angaben zum kommenden API Modell stammen aus dem offiziellen SmartThings Entwicklerblog.




Schreib den ersten Kommentar