Wenn man diese Smart-Home-Woche auf einen Satz herunterbrechen will, dann diesen: Das Zuhause bekommt gerade nicht nur mehr Geräte, sondern mehr Gehirn. Google öffnet Home offiziell für externe KI-Agenten, Aqara bringt einen Präsenzsensor, der bis zu zehn Personen räumlich erfassen kann, und Apple lässt seine Home-App Kameraclips mit Apple Intelligence verstehen.
Das Spannende daran ist weniger das nächste Datenblatt. Es geht darum, dass Smart Home langsam von „Lampe an, Lampe aus“ zu Systemen wechselt, die Zusammenhänge verstehen sollen. Das kann richtig gut werden. Es kann aber auch richtig schiefgehen, wenn Kontrolle, Datenschutz und zuverlässige Automationen nicht mithalten.
Google Home bekommt eine offizielle MCP-Schnittstelle für KI-Agenten. Aqara startet den FP400 mit 60-GHz-mmWave, Matter und bis zu zehn gleichzeitig erkannten Personen. Apple Intelligence zieht in die Home-App ein und beschreibt Kameraclips. Und laut Bitkom würden 28 Prozent der Deutschen mindestens 5.000 Euro für einen humanoiden Haushaltsroboter ausgeben.
- Das war wirklich wichtig
- Bei Smartzeug diese Woche
- Kuriosität der Woche
- Was nächste Woche spannend wird
// 01 Das war wirklich wichtig
Google Home öffnet die Haustür für KI-Agenten. Zumindest digital.
Google hat diese Woche seinen Google Home MCP Server im Early Access geöffnet. MCP steht für Model Context Protocol und soll externen KI-Assistenten einen standardisierten Weg geben, mit Google Home zu sprechen. Ein Agent kann damit unter anderem Geräte und Räume auflisten, aktuelle Zustände abfragen, Geräte steuern und vergangene Ereignisse analysieren.
Das ist deutlich interessanter als der nächste Sprachassistent mit etwas hübscherer Stimme. Ein KI-Agent könnte theoretisch nicht nur auf einen einzelnen Befehl reagieren, sondern den Zustand des Hauses verstehen und daraus Aktionen ableiten. Google nennt selbst Beispiele wie „Wie viele Lampen habe ich?“, „Ist mein Zuhause gesichert?“ oder „Was ist passiert, während ich weg war?“
Ganz ohne Leitplanken lässt Google das aber nicht laufen. Besonders sensible Aktionen wie das Entriegeln von Türen sind gesperrt. Google warnt außerdem ausdrücklich davor, dass ein verbundener Agent unerwartete Aktionen ausführen kann. Genau dieser Satz ist für mich wichtiger als jede Demo. Ein KI-Agent im Smart Home ist nur dann smart, wenn ich jederzeit weiß, was er darf und warum er etwas getan hat.
Home MCP ist aktuell Early Access. Google nennt außerdem ein Google Home Premium Advanced-Abo, ein Google-Cloud-Projekt und einen MCP-kompatiblen Client als Voraussetzungen. Das ist Stand heute eher Spielwiese für Enthusiasten als Familienfunktion für jeden Haushalt.
Wer tiefer einsteigen will: Auf Smartzeug haben wir die neue Schnittstelle bereits ausführlicher eingeordnet: Google Home öffnet sich für KI-Agenten: Das ist größer als ein neuer Sprachassistent.

Aqara FP400: Präsenz wird langsam wirklich räumlich
Aqara hat den Spatial Multi-Sensor FP400 offiziell in den Verkauf gebracht. Der Sensor arbeitet mit 60-GHz-mmWave-Radar, kann laut Hersteller bis zu zehn Personen gleichzeitig verfolgen und einen Raum in mehrere Bereiche aufteilen. Der deutsche Preis liegt bei 79,99 Euro.
Für Home-Assistant-Nutzer steckt der interessante Teil im Kleingedruckten. Der FP400 unterstützt Thread und Zigbee sowie Matter. Über Thread kann er mit einem vorhandenen Thread Border Router ohne Aqara-Hub ins System kommen. Allerdings werden bei direkter Matter-Anbindung laut Aqara nur ein allgemeiner Präsenzsensor und ein Helligkeitssensor bereitgestellt. Die richtig spannenden Zonenfunktionen hängen also davon ab, wie man das Gerät integriert.
Genau deshalb haben wir dem Thema diese Woche einen eigenen Artikel spendiert: Aqara FP400 mit Home Assistant: Matter kann mehr, wenn du ihn richtig einrichtest.

Apple Intelligence schaut jetzt auch auf die Haustür
Mit iOS 27 und den aktuellen Apple-Systemen sind die neuen Apple-Intelligence-Funktionen für die Home-App offiziell verfügbar. HomeKit-Secure-Video-Clips können automatisch beschrieben werden. Außerdem lassen sich Aufnahmen in natürlicher Sprache durchsuchen. Statt sich durch zwanzig Clips zu tippen, soll man beispielsweise nach einer Paketlieferung suchen können.
Das ist im Alltag tatsächlich interessanter als die übliche KI-Deko. Wer mehrere Kameras hat, kennt das Problem: Eine Benachrichtigung sagt, dass „eine Person erkannt“ wurde. Schön. Aber wer? Was ist passiert? War es der Paketdienst oder nur jemand, der am Gehweg vorbeilief? Genau hier kann eine brauchbare Zusammenfassung echten Mehrwert liefern.
Der Haken bleibt das Ökosystem. Apple verlangt HomeKit Secure Video, einen aktuellen Home Hub, ein Apple-Intelligence-fähiges Gerät und einen qualifizierten iCloud+-Plan. Welche Kosten dabei in der Praxis entstehen, haben wir diese Woche separat aufgedröselt: HomeKit Secure Video: Diese Kosten bringt die Kamera-KI.
Auch auf Reddit sieht man gerade beides gleichzeitig: Nutzer berichten begeistert von erstaunlich konkreten Ereignisbeschreibungen, andere diskutieren die Kosten und Voraussetzungen. Genau das ist für mich der aktuelle Stand vieler KI-Funktionen im Smart Home: beeindruckend, wenn alles passt, aber noch weit weg von „einfach einschalten und fertig“.
// 02 Bei Smartzeug diese Woche
Auf Smartzeug.com war diese Woche einiges los. Wir haben fünf Themen aufgegriffen, bei denen aus meiner Sicht mehr dahintersteckt als nur eine Hersteller-Pressemitteilung:
- IKEA DUBBELKISEL: Matter over Thread zieht für 22 Euro in integrierte Schrank- und Küchenbeleuchtung ein.
- HomeKit Secure Video: Was Apples neue Kamera-KI wirklich kostet.
- Aqara FP400: Warum die richtige Integration bei Matter über die Funktionen entscheidet.
- Google Home MCP: Warum KI-Agenten fürs Smart Home größer sein könnten als der nächste Sprachassistent.
- Tibber Grid Rewards: Wie ein E-Auto fürs flexible Laden Geld verdienen kann, ohne dass dafür Vehicle-to-Grid nötig ist.
Auf YouTube gab es außerdem einen neuen Short mit den MOVA-Highlights von der IFA 2026. Wer nach dem Messevideo noch einmal kompakt sehen will, was MOVA beim V70 Ultra Complete gezeigt hat, findet ihn hier: MOVA IFA 2026 Highlights auf YouTube Shorts.
// 03 Kuriosität der Woche: 5.000 Euro für einen Roboter, den es noch gar nicht gibt

Der Digitalverband Bitkom hat diese Woche eine ziemlich schöne Zahl veröffentlicht: 28 Prozent der Deutschen würden 5.000 Euro oder mehr für einen humanoiden Haushaltsroboter bezahlen. Fünf Prozent wären sogar bereit, mindestens 10.000 Euro hinzulegen. Befragt wurden 1.159 Personen ab 16 Jahren in Deutschland.
Das Kuriose daran ist nicht einmal der Preis. Es ist die Erwartungshaltung. 42 Prozent gehen laut Bitkom davon aus, dass humanoide Roboter in einigen Jahren tatsächlich in Haushalte einziehen werden.
Und jetzt kommt der Smartzeug-Test: Wenn das Ding für 5.000 Euro wirklich zuverlässig Wäsche zusammenlegt, den Geschirrspüler ausräumt, Fenster putzt und nachts nicht beschließt, die Kaffeemaschine in die Badewanne zu tragen, reden wir noch einmal.
// 04 Was nächste Woche spannend wird
Bei Google Home wird interessant, wie schnell die ersten echten Home-MCP-Projekte auftauchen. Auf Reddit diskutieren Home-Assistant-Nutzer bereits mögliche Anwendungsfälle. Besonders spannend wäre eine saubere Brücke zwischen KI-Agent, Home Assistant und bestehenden Google-Lautsprechern, ohne dass daraus ein undurchschaubares Cloud-Konstrukt wird.
Beim Aqara FP400 beginnt jetzt die eigentlich relevante Phase: Alltag statt Datenblatt. Wie stabil läuft die Erkennung mit mehreren Personen? Wie gut funktionieren die Zonen? Was bleibt bei direkter Matter-Anbindung übrig? Genau diese Fragen entscheiden am Ende mehr als „60 GHz“ auf der Verpackung.
Und noch etwas für Home-Assistant-Fans: Am 25. September erscheint ein c’t special zu Home Assistant. Heise kündigt unter anderem Einsteigergrundlagen, PV-Prognosen, smarte Stromzähler, Fahrzeugdaten und praktische Projekte an. Das dürfte nächste Woche einige neue Themen und Diskussionen liefern.
Das Smart Home wird gerade vom Gerätepark zum Agentensystem.
Diese Woche zeigt ziemlich gut, wohin die Reise geht. Matter kümmert sich um Verbindungen. Sensoren liefern immer mehr Kontext. Kameras verstehen Ereignisse. Und KI-Agenten sollen daraus Entscheidungen machen. Technisch ist das faszinierend. Der echte Fortschritt kommt aber erst dann, wenn diese Systeme zuverlässig, nachvollziehbar und möglichst lokal funktionieren. Sonst haben wir am Ende nur ein schlaueres Smart Home, das wir schlechter verstehen.