Alle Lichter aus. Außer dem Nachtlicht im Kinderzimmer. Klingt nach einer einfachen Aufgabe. In Home Assistant konnte daraus bisher eine ziemlich gepflegte Liste einzelner Lampen werden. Genau solche Reibung räumt Home Assistant 2026.11 an mehreren Stellen ab: bei Automationen, Dashboards, Erweiterungen und der Suche nach Fehlern.

Dazu kommen Matter-Kameras und eine Vorschau auf echtes Gegensprechen. Der November wird also mehr als ein bisschen neue Farbe auf den Kacheln. Entscheidend ist aber, welche Neuerungen deinem Zuhause tatsächlich Arbeit abnehmen.

Stand: 29. Oktober 2026, Beta. Home Assistant 2026.11 ist noch kein stabiles Update. Die offiziellen Beta-Release-Notes sind ausdrücklich vorläufig. Funktionen und Details können sich bis zur finalen Version ändern. Die erste Beta 2026.11.0b0 wurde am 28. Oktober veröffentlicht.

Die Neuerungen im Smartzeug-Video

Mein Video zu Home Assistant 2026.11 führt dich durch Marketplace, Automationen, Dashboard und Kamerafunktionen. Wenn du lieber gezielt einsteigst: Die Automationen beginnen bei 03:04, die automatischen Abschnitte bei 06:39 und Kameras samt Gegensprechen bei 09:34.

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Marketplace: HACS zieht ein

Der auffälligste Umbau steckt unter Einstellungen > Marketplace. HACS geht in einem integrierten Marketplace auf. Erweiterungen, Dashboard-Karten, Themes und Vorlagen lassen sich dort direkt finden und installieren. Das gilt auch für Home Assistant Container.

Laut offizieller Marketplace-Dokumentation brauchst du für den normalen Katalog keinen GitHub-Account. Eigene Repositories benötigen weiterhin eine GitHub-Verbindung. Vorhandene HACS-Installationen werden beim Start nach dem Update übernommen, samt installierten Projekten und benutzerdefinierten Repositories. Neue Integrationen lassen sich ohne den bisherigen zusätzlichen Neustart einrichten. Für Updates ist ein Neustart derzeit weiterhin nötig.

Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Die Verantwortung für Community-Erweiterungen bleibt trotzdem bei dir: Der Marketplace macht sie nicht automatisch zu vom Home-Assistant-Projekt geprüften oder unterstützten Integrationen. Den Umstieg haben wir bereits ausführlicher im Smartzeug-Beitrag zum Home Assistant Marketplace eingeordnet.

Alle Geräte, mit einer Ausnahme

Für meinen Alltag ist die neue Zielauswahl mindestens genauso spannend. Du kannst weiterhin eine ganze Etage, einen Raum oder ein Label auswählen und anschließend gezielt Geräte oder Entitäten ausschließen. Das funktioniert in Auslösern, Bedingungen und Aktionen.

Beispiel: Deine Gute-Nacht-Automation schaltet die Beleuchtung im Obergeschoss aus. Das Nachtlicht bleibt ausdrücklich außen vor. Kommt später eine weitere Lampe im Obergeschoss dazu, wird sie automatisch berücksichtigt. Schließt du dagegen das ganze Kinderzimmer aus, bleibt auch dessen nächste neue Lampe außen vor. Genau dieses dynamische Verhalten beschreibt die Dokumentation zu Ziel-Ausnahmen.

Zielauswahl in Home Assistant mit ausgeschlossenen Küchenleuchten und eingeschlossenen Wohnzimmerleuchten
Offizielles Beta-Beispiel: Eine Auswahl kann einzelne Leuchten ausnehmen. Zum Vergrößern anklicken. Bild: Home Assistant.

Das spart vor allem Wartung. Eine Automation beschreibt endlich sauber deine Absicht, statt eine Momentaufnahme aller heute vorhandenen Lampen zu speichern. Im Editor kannst du außerdem Schritte ersetzen, ohne jedes passende Feld erneut auszufüllen.

Das Dashboard wächst mit

Neue Lampe eingebunden, aber auf dem Dashboard fehlt noch die Karte? Automatische Abschnitte sollen genau das übernehmen. Du wählst zum Beispiel den Typ Licht und eine Etage. Der Abschnitt zeigt die passenden Entitäten und nimmt später hinzukommende automatisch auf.

Die Beta bietet dafür unter anderem Abschnitte für ein einzelnes Gerät und für gefilterte Entitäten. Beim Anlegen siehst du eine Vorschau. Wer anschließend lieber jede Karte selbst gestaltet, kann den Abschnitt in eine manuelle Variante umwandeln. Die vorhandenen Karten bleiben erhalten, die automatische Pflege endet dabei. Die Details zeigt Home Assistant im Abschnitt zu automatischen Dashboard-Abschnitten.

Editor eines automatischen Dashboard-Abschnitts mit Lichtauswahl für eine Etage und einer ausgeschlossenen Leuchte
Links wird gefiltert, rechts erscheint die Vorschau. Der automatische Abschnitt berücksichtigt passende neue Entitäten. Originalansicht per Klick. Bild: Home Assistant.

Dazu kommen Kopieren und Einfügen ganzer Abschnitte zwischen Ansichten und Dashboards. Lichtkacheln bekommen eine Farbleiste und optional einen Sättigungsregler. Bei Temperaturzielen kannst du zwischen Tasten und Schieberegler wählen. Das sind kleine Wege, die man täglich sehr oft geht.

Matter-Kameras und Gegensprechen

Home Assistant 2026.11 bringt Unterstützung für Matter-Kameras mit Livebild und Schnappschüssen. Das ist ein wichtiger Schritt für Kameras im gemeinsamen Smart-Home-Standard. Eine vorhandene Kamera bekommt dadurch allerdings keine Matter-Fähigkeit nachgerüstet. Kamera und Matter Server müssen die entsprechenden Funktionen unterstützen.

Separat davon startet Gegensprechen als Labs-Vorschau. Zu Beginn sind dafür unterstützte Kameras über Matter und Reolink vorgesehen. Dass eine Kamera heute schon ein Bild liefert, reicht dafür nicht automatisch aus.

Die offizielle Entwicklererklärung zu Zweiwege-Audio nennt WebRTC als Grundlage und verlangt im Browser HTTPS für den Mikrofonzugriff. Bei Reolink muss zudem der Kamerastream über RTSP laufen. Ein HLS-Bild im Dashboard bedeutet deshalb noch kein funktionierendes Gegensprechen. Für die Praxis heißt das: vor einem Kamerakauf die konkrete Unterstützung prüfen, statt nur auf das Herstellerlogo zu schauen.

Endlich sehen, wer das Licht geschaltet hat

Jeder kennt diesen Moment: Eine Lampe schaltet sich aus, aber welche Automation war es? Die Beta erweitert die Fehlersuche gleich mehrfach. Die Aktivität lässt sich nach dem Auslöser filtern. Aus einem Automations-Trace kannst du in den dazugehörigen Lauf eines aufgerufenen Skripts springen. Live-Debug-Protokolle lassen sich auf eine einzelne Integration eingrenzen.

Auch Statistiken bekommen ein praktisches Werkzeug: Unter Entwicklerwerkzeuge > Statistik lässt sich ein ausgewählter Zeitraum mit falschen Messwerten entfernen. Ein einzelner irrer Temperaturausreißer muss damit nicht die übrige Statistik mitnehmen. Die Release-Notes zum Löschen fehlerhafter Messwerte beschreiben diese gezielte Bereinigung.

Statistikdialog mit ausgewähltem Zeitraum und einem unplausiblen Temperaturausreißer im Diagramm
Der ausgewählte Zeitraum wird gelöscht, die Statistik außerhalb davon bleibt bestehen. Gelöschte Statistikwerte lassen sich im Dialog nicht wiederherstellen. Bild: Home Assistant.

Für die Energieübersicht wird außerdem der Weg vom Leistungssensor in Watt zum Verbrauch in Kilowattstunden kürzer: Beim Hinzufügen passender Geräte kann Home Assistant den dafür nötigen Energiesensor anlegen. Die Qualität der Verbrauchswerte hängt weiterhin von den gelieferten Messdaten ab.

USB-Speicher und Schalter ohne Batterie

Wer Home Assistant OS nutzt, kann lokale Laufwerke für Backups, Medien und gemeinsame Dateien einbinden. Dazu zählen auch USB-Laufwerke. Die offizielle Anleitung zu lokalem Speicher nennt dafür Einstellungen > System > Speicher. Das Laufwerk muss bereits passend formatiert sein, Home Assistant übernimmt die Formatierung nicht.

Eine angeschlossene Backup-Platte ist bequem. Bei einem Defekt oder Schaden am gleichen Standort hilft zusätzlich eine Kopie an einem anderen Ort. Was du für eine Wiederherstellung wirklich brauchst, steht in unserem Home-Assistant-Backup-Notfallkit.

Bei der Funktechnik kommen LoRaWAN und Zigbee Green Power hinzu. Letzteres ist für unterstützte batterielose Schalter interessant, die ihre Energie etwa aus dem Tastendruck gewinnen. LoRaWAN richtet sich dagegen an passende Sensoren über größere Entfernungen und setzt die dazugehörige Infrastruktur voraus. Beides sind neue Möglichkeiten, keine pauschalen Kompatibilitätsversprechen für vorhandene Geräte.

Vor dem Update diese Punkte prüfen

Die Beta ist ein guter Blick auf den November. Für die Zentrale, an der Heizung, Anwesenheit und Familienfrieden hängen, würde ich auf die stabile Version warten. Wer bewusst testet, sollte vorher ein vollständiges Backup außerhalb des Home-Assistant-Geräts sichern und die inkompatiblen Änderungen der Beta für seine Integrationen lesen. Drei Punkte fallen besonders auf:

  • Namen auf dem Dashboard: Home Assistant setzt Gerätename und Entitätsname neu zusammen. Dadurch können Karten anders beschriftet sein. Entitäts-IDs bleiben erhalten. Benutzerdefinierte Karten sollten vor dem Update aktuell sein.
  • Kalender- und Sonnen-Automationen in YAML: Wenn ein Offset gesetzt ist, aber offset_type fehlt, bedeutet ein positiver Wert nun nach dem Ereignis und ein negativer davor. Im visuellen Editor angelegte Regeln mit explizitem offset_type sind von genau diesem Sonderfall nicht betroffen.
  • Matter-Luftqualität: Korrigierte Konzentrationseinheiten können Messwerte verändern. Bei betroffenen Sensoren deshalb auch die Einheit und die Schwellwerte deiner Automationen kontrollieren.

Für mich steckt der größte Gewinn dieser Beta in weniger Nacharbeit: Ausnahmen sauber auswählen, Dashboards automatisch mitwachsen lassen und bei Problemen schneller den Verursacher finden. Kameras und Marketplace liefern die großen Schlagworte. Die kleineren Handgriffe könnten am Ende die Änderungen sein, die du jeden Tag am meisten schätzt.